Mittwoch, 26. Dezember 2012

Der Kater und der Schnaps

Weihnachten, Neujahr - viele Festtage in kurzer Zeitabfolge, wo es mal trotz guter Vorsätze feucht- fröhlich werden kann. Ein  Gläschen zu viel und am Tag danach: das verKATERte Erwachen.
Dieser  KATER- Begriff soll schon in der studentischen Sprache des  19. Jahrhunderts entstanden sein, als scherzhafte Ableitung aus dem Altgriechischen „Katarrh“ - eine Schleimhautentzündung, (wo wären wir ohne die Griechen, zumindest die alten Griechen?!)

Typische Merkmale eines KATERrrrS sind Kopfschmerzen und Übelkeit, das Gefühl von  „entzündetem“  Kopf und Magen. Häufig kommt durch Magenschleimhautentzündung auch Erbrechen hinzu, verbunden mit Appetitlosigkeit. Und durch den schädigenden Reiz des Alkohols auf die Informationsbahnen der Nervenzellen kann es zu Wahrnehmungs- und Konzentrationsstörungen sowie eine Verminderung der Reaktionsfähigkeit kommen.
Denn Alkohol gerät über den Verdauungstrakt in die Blutbahn und mit dem Blut wird er von Kopf bis Fuß im Organismus verteilt.

Das naheliegende Mittel einen KATER zu vermeiden:  keinen oder zumindest wenig Alkohol trinken.
Aber…die notgedrungenen Ausnahmen!

Hinter der KATER-Symptomatik verbergen sich komplexe Vorgänge. Aus diesem Grund ist eine wahre Herausforderung für die Forschung, allgemein gültige Maßnahmen zur KATER-Bekämpfung auszuarbeiten, oder zumindest um den KATER zum Kätzchen werden zu lassen.  Jeder Mensch hat seine eigene Art beim Abbau von Stoffwechselprodukten zur Entgiftung des Organismus zu reagieren. Eine optimale Maßnahme zur KATER-Bekämpfung hat sich demzufolge nach dem Alter, Gewicht, Geschlecht, Gesundheitszustand u. a. m. des Einzelnen zu richten.
Sie muss Essgewohnheiten berücksichtigen, da fetthaltiges Essen die Alkoholaufnahme  des Körpers verlangsamt. Durch eine längere Verweildauer des Alkohols im Magen kann ein Teil enzymatisch abgebaut werden. Zucker und Kohlensäure beschleunigen hingegen die Alkoholresorption.

Zum Glück bleiben Experten auf diesem Gebiet nicht untätig.
Man geht davon aus, dass die Dehydratation des Körpers eine der wichtigsten Ursachen der KATER-Beschwerden darstellt. Der Grund soll die Hemmung des Hormons Vasopressin durch den Alkohol - den Ethanol -  sein. Dieses Hormon regelt normalerweise, die Flüssigkeitsmenge, die über Nieren abgegeben wird. Wird mehr Flüssigkeit abgegeben, wird das Blut dicker. Kopfschmerzen entstehen. Zusammen mit dem Wasser werden auch vermehrt Mineralstoffe ausgeschieden. Der durch Alkohol gereizte Darm verschlimmert die Lage zusätzlich. Es kommt zu Durchfällen, die wiederum mit Flüssigkeitsverlust einhergehen.

Neben dem hohen Wasserverlust sollen zu den KATER-Beschwerden außerdem giftige Abbauprodukte des Alkohols, insbesondere  das Acetaldehyd ihren Beitrag leisten. Steigt die Blutkonzentration des Acetaldehyds an, verstärkt sich das Unwohlsein. Unter normalen Umständen wird der Acetaldehyd selbst in Organismus mithilfe des Enzyms Acetaldehyd-Dehydrogenase abgebaut.  Höhere Konzentrationen an Acetaldehyd im Blut legen die Vermutung nahe, dass durch den Alkohol die Funktion des Enzyms beeinträchtigt wird. 

Verschiedene Getränkesorten unterscheiden sich außer im Gehalt an Ethanol auch in der Art und in den Konzentrationen der sogenannten „Begleitalkohole“, die umgangssprachlichen „Fuselalkohole“. Obwohl das Risiko durch Begleitalkohole nach übermäßigem Genuss alkoholischer Getränke noch nicht abschließend geklärt ist, weisen die Experten im Zusammenhang mit KATER- Symptomen  auf eine Auswahl alkoholischer Getränke hin. Der Grund: es ist anzunehmen, dass Begleitalkohole wie Methanol, Propanol, iso-Butanol  im Körper zu toxische Stoffe abgebaut werden, die zu einer Belastung von Herz, Leber, Nieren und Nervensystem führen könnte.
Insbesondere Obstbrände und fassgelagerte Spirituosen wie Cognac, Whisky oder dunkler Rum enthalten oft hohe Mengen an Begleitalkoholen.
Durch die Destillation sind farblose Branntweine, mit einem durchschnittlichen  Ethanol-Gehalt von 40%, weitgehend Begleitalkohole frei. Je nach Siedepunkt verdampft bei der Destillation zuerst eventuell vorhandenes  Methanol, dann Ethanol ab. Gegen Ende der Destillation destilliert eventuell vorhandenes Propanol oder Butanol ab. Durch zweimalige Destillation ("doppelt brennen") lassen sich diese unerwünschten Stoffe besser abtrennen.

Die Weihnachten sind vorbei, das neue Jahr steht vor der Tür, also zusammenfassend:
Tipp 1: Nicht auf nüchternen Magen trinken: Schaffen Sie sich vor dem Trinken eine ordentliche Grundlage. Essen Sie am besten fettreich – durch das Fett wird der Alkohol langsamer ins Blut aufgenommen und der Alkoholspiegel steigt nicht so schnell an. Auch typische Partysnacks wie Nüsse, Salzgebäck oder Käse erschweren die Alkoholaufnahme ins Blut und können somit einem Kater vorbeugen.

Tipp 2: Zwischendurch ein Glas Wasser trinken: Wer zwischendurch ein Glas Wasser trinkt, sorgt dafür, dass der Körper nicht zu stark entwässert wird. Das Blut bleibt dünnflüssig und das Risiko, am nächsten Morgen verkatert mit Kopfschmerzen aufzuwachen, sinkt. Alternativ kann anstelle von Wasser auch eine Fruchtschorle getrunken werden.

Tipp 3: Meiden Sie Begleitalkohole (Fuselalkohole): Konsumiert man alkoholische Getränken in größeren Mengen, so sollte man besonders darauf achten, dass diese möglichst nur Ethanol und nicht noch andere Alkohole enthalten. Begleitalkohole wie Methanol oder Isobutanol sind beispielsweise in Whiskey, dunklem Rum oder Cognac sowie in Wein enthalten. Zwar fehlt der wissenschaftliche Beweis, allgemein gilt es jedoch als gesichert, dass Begleitalkohole mitverantwortlich sind für den Kater am nächsten Morgen. Relativ frei von Begleitalkoholen ist übrigens Wodka.

Tipp 4: Aufs Rauchen verzichten: Rauchen Sie nicht, wenn Sie Alkohol trinken – das verstärkt meist die Kopfschmerzen am nächsten Morgen. Denn Nikotin senkt den Alkoholspiegel im Blut und vermittelt dadurch das Gefühl, noch mehr trinken zu können.

Tipp 5: Vermeiden Sie alkoholische Getränke mit Zucker: Einige alkoholische Getränke, wie beispielsweise Bowle oder Glühwein enthalten eine Mischung aus Alkohol und Zucker. Durch den Zucker wird im Körper jedoch der Abbau von Acetaldehyd gehemmt. Dieses Abbauprodukt des Alkohols ist mitverantwortlich für den Kater am nächsten Morgen. Deshalb fällt der Kater nach dem Genuss von Bowle oder Glühwein oft besonders schlimm aus.
Wer abends bereits befürchtet, am nächsten Morgen verkatert aufzuwachen, sollte vor dem Schlafengehen ein großes Glas Wasser trinken und bei Bedarf eine Schmerztablette einnehmen.

2013:  
"Wird's besser? Wird's schlimmer?"/ fragt man alljährlich./ Seien wir ehrlich:/ Leben ist immer/ lebensgefährlich.“
Erich Kästner


Es ist der 1. Januar 2013, morgens. Der Morgen danach, und Sie sind trotz guter Vorsätze in Kater-Stimmung. EIN Gläschen Korn oder Wodka dem neuen Jahr zu Ehren und Sie bereuen nichts - sagen manche Experten.
Die Ansicht ist allerdings umstritten.

Mittwoch, 12. Dezember 2012

Spekulatius & Co - Genuss auf eigene Gefahr?

Medien bestimmen, WELCHEN Themen Bedeutung beigemessen, WANN und WIE  die Öffentlichkeit über komplexe Zusammenhänge informiert wird.

Beim Thema „Lebensmittel“  scheint WANN in Verbindung mit  bestimmten Anlässen an Bedeutung zu gewinnen. Zumindest bei Lebensmitteln mit symbolischem Charakter  wie Eiern oder  Saison-Backwaren.
So werden wir ausgerechnet kurz vor Ostern über  eine unzulässige Konzentration an PCB (Polychlorierten Biphenylen) in den Eiern glücklicher Legehennen von einigen Bio- Erzeugern informiert, oder beherrscht ein paar Tage vor Weihnachten das Thema „Acrylamid, Spekulatius & Co“ die Schlagzeilen.

Die Art WIE von vielen Medien  dieses Thema  aufgegriffen wird, kann eher zur Verunsicherung als zur Beruhigung der Gemüter führen.

Die Spekulatius- Kekse  sind nun mal  „Bestseller“ in der Weihnachtszeit. Und ihre häusliche Zubereitung hat auch Hochkonjunktur.
In dieser fast euphorischen Atmosphäre  werden wir dann darauf erinnert, dass in den vergangenen Jahren in Spekulatius, Lebkuchen u. ä.  wiederholt erhöhte Werte an Acrylamid festgestellt wurden, einem „krebserregenden und erbgutschädigenden Stoff“.
Darauf sei aber nicht zu schlussfolgern, dass Werte oberhalb des sogenannten Orientierungswerts für Acrylamid gesundheitsschädlich seien. Außerdem hätten die meisten  Acrylamid-Werte in den Stichproben der Untersuchungsämter  von 2011 sowieso unterhalb des Orientierungswerts gelegen.

Viele Widersprüche und die guten Nachrichten bleiben auf der Strecke.

So z. B. bleibt unerwähnt, dass auch 10 Jahre nach dem ersten Nachweis von Acrylamid in Lebensmitteln, können durchgeführte epidemiologische Studien über den Zusammenhang zwischen der Acrylamid-Aufnahme über Lebensmittel und der Krebsentstehung beim Menschen  eine krebserzeugende Wirkung von Acrylamid nicht sicher belegen. Bei diesen Studien wurden deutlich geringere Mengen Acrylamid über die Nahrung aufgenommen als die Dosierungen in Tierversuchen, die zu dem Schluss über die krebserregende und erbgutschädige Wirkung dieses Stoffes geführt haben.
Dies wäre schon mal eine verkündungswürdige „halb-gute Nachricht“.

Die „gute Nachricht“: der Gehalt an Acrylamid in Lebensmitteln ist steuerbar.
Der Stoff bildet sich beim Erhitzen von Lebensmitteln mit geringem Wassergehalt, die viel Asparagin als auch Stärke enthalten. Dies ist vor allem bei frittierten, gebackenen, oder gerösteten Lebensmitteln wie Pommes frites, Kaffee oder trockenen Backerzeugnissen (wie Spekulatius)  der Fall. Die Acrylamid-Bildung beginnt bei Temperaturen über 120⁰C und steigt bei 170-180⁰C sprunghaft an.
Aus diesem Grund lautet die Empfehlung der Experten: Solange das Risiko durch Acrylamid in Lebensmitteln nicht abschließend geklärt ist, sollte der  Acrylamid-Gehalt von Lebensmitteln
- Pommes frites, Kaffee oder trockenen Backerzeugnissen (wie Spekulatius) -  so niedrig wie möglich gehalten werden, sowohl bei der industriellen Herstellung  als auch bei der Zubereitung im Haushalt.

Das aller Beste:  es gibt einen nationalen und mittlerweile einen europäischen „Schutzschirm“ für Lebensmittel zum Schutz vor Acrylamid-Auswüchsen.

In Deutschland sogar seit 2002. Sein Name: „Acrylamid-Minimierungskonzept“ mit nationalen „Signalwerten“. Auch wenn diese Werte keine rechtlich verbindlichen Höchstwerte sind, sie sind Orientierungswerte, bei deren Überschreitung Gegenmaßnahmen getroffen werden müssen.
Und im Januar 2011 wurden auf europäischer Ebene mit der Empfehlung der Europäischen Kommission zur Untersuchung des Acrylamid- Gehalts von Lebensmitteln auf europäischer Ebene   Richtwerte für die meisten Lebensmittelgruppen eingeführt.
Somit haben bei industriell hergestellten Lebensmitteln die Lebensmittelüberwachung und die Lebensmittelproduzenten das Steuer  zur weiteren Minimierung des Acrylamid-Gehalts in der Hand.

Glückliche Lebensmittelproduzenten!
Wir, die gewöhnlich Sterblichen, sind von den Medien beim Thema „Acrylamid in Spekulatius“  in Unkenntnis beruhigender Erkenntnisse gelassen worden. Als gewöhnlich Sterbliche können wir auch nicht unter den Acrylamid-Schutzschirm der Industrie schlüpfen.   
Wir sind  jedoch nicht auf uns allein gestellt.
Das Chemische  und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart, CVUA, hat einige nützlichen Tipps 
zur Vermeidung hoher Acrylamid-Gehalte für die häusliche Zubereitung zusammengestellt.

Hier seine Tipps:
•    Um extreme Acrylamidwerte zu vermeiden, sollten Sie folgendes beachten:
•    Weizenmehle bilden tendenziell weniger Acrylamid als Roggenmehle; Weißmehle (z.B. Type 405 oder 550) bilden tendenziell weniger Acrylamid als Vollkornmehle.
•    Beim Stehenlassen der Teige erhöht sich die Menge an Vorläufersubstanzen, aus denen Acrylamid entsteht. Deshalb sollten die Teige nach der Herstellung nur so lange ruhen, wie unbedingt nötig.
•    Auch die Backtemperatur und die Backdauer wirken sich auf den Acrylamidgehalt aus. Deshalb bei möglichst niedriger Temperatur backen. Da jeder Backofen andere Eigenschaften aufweist, können hier keine allgemeingültigen Temperaturempfehlungen gemacht werden. In vielen Fälle dürften aber bei 180°-190°C (ohne Umluft), bzw. 160°-170°C (mit Umluft) gute Ergebnisse zu erzielen sein.
•    Sie sollten auch darauf achten, dass das Gebäck im Innern nicht völlig austrocknet, denn gerade dann lauern erhöhte Acrylamidwerte.
•    Die wichtigste Rolle für die Bildung von Acrylamid spielt aber das Triebmittel, das für das Aufgehen des Teiges und für eine schöne Porenbildung sorgt.
•    Zur Herstellung von Lebkuchen wird traditionell Hirschhornsalz (Ammoniumbicarbonat, ABC-Trieb) verwendet. Durch das Hirschhornsalz bekommt der Lebkuchen seinen besonderen Geschmack. Leider wird ausgerechnet dadurch auch die Bildung von Acrylamid sehr stark gefördert. Wenn es geschmacklich möglich ist, sollte man daher auf Hirschhornsalz (ABC-Trieb) völlig verzichten und stattdessen Natron (Natriumbicarbonat) oder Backpulver verwenden.
•    Bei Verwendung von Backpulver oder Natron kann in der Regel auf den Zusatz von Pottasche (Kaliumcarbonat) verzichtet werden.
•    Es gibt auch spezielle Lebkuchenteige mit einem beträchtlichen Anteil an Kartoffeln. Bei solchen Kartoffellebkuchen ist Hirschhornsalz unbedingt zu vermeiden, sonst sind extrem hohe Acrylamidgehalte vorprogrammiert.

Zum Schluss noch ein weiterer Tipp:
Mandeln enthalten größere Menge an Asparagin, eine Aminosäure, die beim Erhitzen Acrylamid bildet. Deshalb sollte man beim Rösten von Mandeln folgendes beachten:
•    Mandeln sollten nur leicht geröstet werden, sie sollten nicht dunkelbraun werden.
•    Versuche haben zudem gezeigt, dass es besser ist, die ganzen Mandeln zu rösten und sie erst danach zu zerkleinern. Beim Rösten von gemahlenen Mandeln, Mandelstiften und Mandelblättchen entsteht deutlich mehr Acrylamid, als beim Rösten von ganzen Mandeln.

Die Mühe bei Einhaltung der empfohlenen Tipps ist klein, der Genuss umso größer!

                                           F R O H E  W E I H N A C H T E N!


Samstag, 1. Dezember 2012

amapur

Shakes, Schokoriegel, Kekse, Cracker, Brezeln...so geht abnehmen mit der amapur Diät!
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Freitag, 23. November 2012

Gesundheitswirtschaft und das Humankapital

...ehemals Gesundheitswesen und Patienten

Im SciFi-Thriller "I'm. Mortal" haben Wissenschaftler das menschliche Gen deaktiviert, das den Alterungsprozess auslöst. Wenn wir auch noch nicht so weit sind, Tatsache ist, dass statistisch gesehen, unsere Lebenserwartung stetig ansteigt.
Neugeborene Jungen werden durchschnittlich 77 Jahre und 9 Monate alt, Mädchen sogar 82 Jahre und 9 Monate. Sollte der positive Trend in diesem Tempo anhalten, werden einem 2009 geborenen Jungen nach statistischen Berechnungen eine Lebenserwartung von 86 Jahren und 5 Monaten, einem Mädchen sogar 90 Jahre und 8 Monaten in Aussicht gestellt.
Auch Ältere haben eine höhere Lebenserwartung. Ein heute 65-jähriger Mann kann statistisch gesehen damit rechnen, weitere 17 Jahre und 6 Monate zu leben. 65-jährige Frauen haben sogar noch 20 Jahre und 8 Monate vor sich.
Diese Entwicklung bedeutet, dass der Bedarf an medizinischen Leistungen weiter ansteigen wird und durch die Inanspruchnahme von immer mehr medizinische Leistungen die Kosten weiter anwachsen werden.

Vor diesem Hintergrund ist es beruhigend zu wissen, dass in unserer freiheitlichen Rechtsordnung das Gesundheitswesen immer mehr den guten Marktgesetzen unterliegen darf.
Für das so zu Gesundheitswirtschaft beförderte Gesundheitswesen bedeutet dies nichts anderes, als verstärkt auf Selbstverantwortlichkeit und Wirtschaftlichkeit zu setzen.
Zur Selbstverantwortlichkeit in der Gesundheitswirtschaft gehört nicht nur die Behandlung von Krankheiten und Gebrechen, sondern auch die Vorsorge.
Und die Gesundheitswirtschaft vertraut auf die Entscheidungskraft und die Zukunftsverantwortung des Betroffenen, um freiwillig für gesunde Lebens- und Ernährungsgewohnheiten vorzusorgen. Denn die Vorsorge bedeutet gute Lebensjahre, wenn man ein paar Regeln wie eine gesunde Ernährung, viel Bewegung, Verzicht auf Rauchen, mäßiger Alkoholkonsum beachtet und schafft, den (schlechten) Stress in Griff zu kriegen.

Tritt der Fall des Falles ein, dann wünscht man sich verständlicherweise individuelle Leistungen und eine bestmögliche Behandlung.
Auch der gesetzlich Versicherte kann in unserer freiheitlichen Rechtsordnung durch freiwillige finanzielle Selbstbeteiligung in die Einschätzung einbezogen werden, ob eine Behandlung oder ein bestimmtes Medikament erforderlich sind, ob er beim Zahnarzt eine Regelversorgung / gleichartige Versorgung oder sogar eine andersartige Versorgung seines Gebisses in Anspruch nimmt.
Ohne die freiwillige finanzielle Selbstbeteiligung des Versicherten könnte sich ein Arzt womöglich einen Verstoß gegen das Wirtschaftlichkeitsprinzip einhandeln, sollte er dem GKV-Patienten ein kostenaufwendigeres Medikament mit weniger Nebenwirkungen verordnen oder eine diagnostische Maßnahme vornehmen, um Risiken vorsorglich abzuklären.

Wir sind jedoch Menschen, und Menschen machen Fehler.
Viele Medikamente werden verordnet, aber nicht verbraucht. Manche Befunde werden doppelt erhoben, ärztliche Aufklärung und Dokumentation wird manchmal doppelt vorgenommen, eine und dieselbe diagnostische Maßnahme unsinnig wiederholt, Verwaltungsanforderungen an den Arzt steigern sich - wie das Paradebeispiel Praxisgebühr zeigt.
Von Wirtschaftlichkeit kann keine Rede sein: steigende Kosten, sinkende „Produktivität“ mit ggf. steigendem Qualitätsrisiko sind die Folgen.

Das Wirtschaftlichkeitsprinzip und die demografische Entwicklung erfordern dringend Maßnahmen. Steigende Kosten erhöhen dabei die Bereitschaft zu interdisziplinärer Zusammenarbeit und der Einsatz moderner Informations- und Kommunikationstechnologien ermöglicht heute die vernetzte Zusammenarbeit.
In naher Zukunft können Apps vor allem bei der Bekämpfung von „Zivilisationskrankheiten“ (Diabetes, Adipositas, Asthma, Bluthochdruck u. s. w.) den Gang zum Arzt sparen. Messwerte zum Blutdruck, Blutzucker, EKG könnten von zu Hause erfasst und anschließend per Smartphone an den Arzt übermittelt werden. Die Überwachung der Medikamenteneinnahme, der Abruf von Laborergebnissen ist unproblematisch.
Mehr als 240 identifizierte Telemedizinprojekte in mehr als 100 Städten und Kommunen sind ein Beleg dafür, dass Telemedizin in Deutschland angekommen ist und Rahmenbedingungen für Nachhaltigkeit und Regelversorgung unerlässlich sind. Unter dem Schwerpunkt Technologie und Dienstleistung im Wandel unterstützt das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) seit 2008 den Projektverbund E-Health@Home mit dem Schwerpunkt der Entwicklung von Geschäftsmodellen zur Unterstützung eines selbst bestimmten Lebens in einer alternden Gesellschaft.

Trotz nachweislich vieler Vorteile der Telemedizin warnen Ärzteverbände vor einer ausschließlich internetgestützten Telemedizin. Telemedizinische Verfahren könnten ärztliches Handeln unterstützen, sie seien aber kein Instrument, um ärztliche Kompetenz zu ersetzen. Das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient aufgrund eines persönlichen Kontakts bleibe die Grundlage jeder Behandlung. Nur, dass trotz ihrer Bedeutung und der Praxisgebühr gibt es in der Arzt-Patient-Beziehung immer wieder Probleme.
Die Praxisgebühr soll den Teufelskreis kurze Gesprächsdauer - Notwendigkeit von Folgeterminen - erhöhte Arbeitsüberlastung - kurze Gesprächsdauer splittern und ausufernde Kosten eindämmen.
Laut Experten zeigte sich aber keine nachhaltige Einsparwirkung durch dieses Verwaltungstool und es konnte auch keine allgemeine Veränderung in der Patientenzahl verzeichnet werden. Zudem kann in der Zeit, die für Verwaltungsaufgabe aufgewendet wird, kein Honorar erWIRTSCHAFTET werden.

Das Jahr 2012 neigt sich seinem Ende zu, ein paar Tage und wir haben den 1. Januar 2013.
Es ist der Tag ab dem die Praxisgebühr abgeschafft wird.
„Das Ende der Praxisgebühr ist eine gute Entscheidung. Damit geben wir den Versicherten Geld zurück, das sie hart erarbeitet haben“…sagte der Bundesgesundheitsminister.

Man kann sich ohne weiteres vorstellen, Ärzte werden durch den Wegfall der Gebühr und den damit verbundenen administrativen Aufwand mehr Zeit für Patienten aufwenden und das ärztliche Gespräch könnte grundsätzlich wieder durch eine adäquate Honorierung aufgewertet werden.

Es ist ein kleiner Schritt, aber ein wichtiger Schritt der Annäherung an die Realität:
Die gelöste Zeitproblematik führt voraussichtlich zu einer verbesserten Beziehung zwischen dem Arzt und einem Patient, als Träger potentieller Vergütungsgrundlagen aufgrund seiner freiwilligen finanziellen Selbstverantwortlichkeit.

Die Gesundheitswirtschaft ist dadurch auf einem guten Weg, effektivere Geschäftsmodelle der Daten- und Kommunikationsdienstleistungen zu nutzen, um ein selbstbestimmtes Leben in einer alternden Gesellschaft zu unterstützen.
Es wäre noch zu berücksichtigen, dass der Versicherte in seiner Eigenschaft als Humankapital ein wichtiger Faktor ist, der das Wachstum indirekt beeinflusst. Neben Bildung ist für den wirtschaftlichen Produktionsprozess die körperliche Leistungsfähigkeit bestimmend. Diese Leistungsfähigkeit wird durch  Gesundheitsleistungen gefördert - in der Vorsorge und Versorgung, demnächst rund um die Uhr.

Der RWE-Chef, Peter Terium, sagte vor kurzem in einem Gespräch mit dem Magazin STERN

„Wenn sie (Mitarbeiter) für dieses Unternehmen leben wollen, können sie das nur…wenn sie auch langfristig an ihre Gesundheit denken…. Mir bringt es nichts, wenn wir die nächste Generation Manager haben, die nicht mehr mit 46, sondern mit 36 ihr Burnout haben. Deswegen sage ich meinen Mitarbeitern mit Nachdruck: Sorge für dich selbst. Ein anderer wird es nicht tun“.


Donnerstag, 1. November 2012

Grippeimpfung: Die saisonal wiederkehrende Schlagzeile

In Deutschland besteht keine Impfpflicht. Impfempfehlungen und grundsätzlich Maßnahmen für die geeignete Prophylaxe werden aufgrund der Angaben der „ständigen Impfkommission“, STIKO, ausgesprochen.
Sie werden einmal jährlich im Epidemiologischen Bulletin des Robert –Koch-Instituts, RKI, veröffentlicht. Auf den Impfseiten des RKI werden seit 2004 außerdem ausführliche Begründungen der Empfehlungen publiziert.
Im Hinblick auf INFLUENZA empfiehlt die STIKO jährliche Impfung im Herbst.
Da sich der Grippeerreger von Jahr zu Jahr verändert, sollte der Impfstoff  der jährlichen Impfung der jeweilig aktuellen von der WHO empfohlenen  Antigenkombination entsprechen.
STIKO empfiehlt in erster Linie die Schutzimpfung aller Personen ab 60 Jahre. Darüber hinaus werden Indikationsimpfung für bestimmten Personengruppen ausgesprochen: Personen jeden Alters mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes und andere Stoffwechselkrankheiten, Asthma, Herz-Kreislauf-Erkrankungen,  das medizinische Personal. Die  Indikationsimpfung sei ebenfalls empfehlenswert  für Personen, die beruflich viel mit anderen Menschen in Kontakt kommen oder öffentliche Verkehrsmittel benutzen. Doch könne sich grundsätzlich jeder bei seinem Arzt impfen lassen.

Die prophylaktische Grippeimpfung braucht nach Angaben des Paul-Ehrlich Instituts 8-14 Tage, bis sich der Impfschutz aufbaut. Wer sich in dieser Zeit infiziert, muss die Grippe entweder aushalten ODER sie mit einem Virenhemmer wie Zanamivir / Oseltamivir  behandeln lassen. Diese Präparate sollen lediglich die Symptome mildern und die Erkrankungsdauer etwas abkürzen. Dadurch sinkt auch das Risiko schwerer Folgeerkrankungen.
Im vergangen Jahr ist ABER die Wirksamkeit dieser Medikamente (u.a.) von Wissenschaftlern einer Non-Profit-Organisation, der Cochrane Collaboration, durch eine Übersichtsstudie in Frage gestellt worden.

Die Gesundheitsexperten sind sich darin einig, dass die Grippeschutzimpfung die Erkrankung ZWAR nicht in jedem Fall verhindern könne, sie trage JEDOCH gerade bei  klassischen Zielgruppe, bei Älteren, zu einer Verringerung der Komplikationen und des Schweregrades bei.
Nun stellt sich unsere gemeinnützige Organisation, die Stiftung Warentest, ausdrücklich GEGEN einige von der STIKO ausgesprochene Impfempfehlungen, wie z. B. die Grippeschutzimpfung.
Ein Expertenkreis hat für die Einschätzungen der Stiftung Warentest Daten zur Wirksamkeit und Sicherheit von Impfungen und den zugehörigen Krankheiten beurteilt. Aus Sicht dieser Experten sei es wenig sinnvoll, ältere Menschen generell gegen Grippe, Pneumokokken und Gürtelrose zu impfen. Begründung:  die Wirksamkeit der Grippeimpfung nehme mit zu nehmendem Alter nachweislich ab.

Lässt man sich trotz diesen und vielen anderen Kontroversen impfen, ist man (zumindest dieses Jahr)  längst nicht auf der sicheren Seite. Bei zwei Grippe-Impfstoffen des Schweizer Pharma-Konzerns Novartis wurden gefährliche Nebenwirkungen befürchtet. Deshalb wurde nach Italien, Österreich und der Schweiz jetzt auch in Deutschland die Auslieferung von fünf Chargen gestoppt.
Angesichts des erwarteten Mangels an Grippeimpfstoff nach diesem Auslieferungsstopp zog der Präsident der Bundesärztekammer die bevorzugte Impfung bestimmter Gruppen von Risikopatienten in Erwägung. Es geht dabei um Menschen mit angegriffenem Immunsystem wie etwa Krebspatienten, ÄLTERE und Kinder, die vorrangig geimpft werden sollten.
Einen Grund zu Panik bei Impfstoff-Knappheit gebe laut Ärztepräsident ABER nicht. Und auch nicht nach Ansicht des  STIKO-Vorsitzenden da es gar nicht unbedingt nötig sei, sich in den nächsten Tagen impfen zu lassen. Denn "Die echte Virusgrippe kommt meist erst Anfang Januar."
Außerdem seien in Deutschland Presseberichten zufolge, neben den beiden betroffenen Novartis-Impfstoffen insgesamt 14 weitere Impfstoffe für die saisonale Grippe 2012/2013. zugelassen.

Oder und auch, zwar und jedoch, gegen, aber, wenig sinnvoll, im Herbst oder später oder gar nicht bei Senioren! Eine gewisse Verunsicherung macht sich breit.
Es gibt heute eine noch nicht dagewesene Vielfalt an Impfstoffen.
Und diese Impfstoffe haben ohne „Wenn und Aber“ nicht die gleiche Wirkeigenschaft und sind auch nicht gleich verträglich für die unterschiedlichen Alters-und Risikogruppen.
Denn eine optimale Anwendung der zur Verfügung stehenden Influenza-impfstoffe
richtet sich nun mal nach den Besonderheiten der Kinder, die noch keinen Kontakt zu Influenzaviren hatten, der Menschen mit Grundimmunität nach Impfung oder durch natürliche Infektion, Senioren mit einem schwächer werdenden Immunsystem und Personen mit Grunderkrankungen.
 

Heute bietet tatsächlich nur die jährliche Impfung die Möglichkeit, sich vor einer Influenza zu schützen. Die Impfung muss ABER vor dem Viruskontakt stattfinden und wirkt nur gegen die für den Impfstoff ausgewählten Virustypen. Der Grund:  diese Impfung aktiviert unser sogenanntes adaptives Immunsystem, jener Teil unserer Immunabwehr, der spezielle Erreger mit Antikörper bekämpft.
Verbesserte Methoden zum Grippeschutz werden offensichtlich benötigt. Und die Wissenschaftler lassen uns hoffen - auf eine universelle Grippeschutzimpfung, sogar auf einen Medikament gegen alle Grippeviren-Typen.

Die Ursache der sich von Jahr  zu Jahr sich verändernden Influenzaviren ist ein Protein an ihrer Oberfläche, das jede Saison mutiert  und daher die Virologen immer wieder zur Anpassung ihrer Impfstoffe zwingt: das Hämagglutinin.
Wie eine letztes Jahr in der Fachzeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences“ veröffentlichte Studie besagt,  haben  US- Wissenschaftler  einen Antikörper entdeckt, der gegen den Großteil der Grippevirenstämme wirksam sein soll: Den Antikörper CH65.
CH65 sei in der Lage die Hämagglutinin-Oberfläche von 30 der 36 bekannten Grippevirenstämme zu erkennen und anzugreifen.
Der Antikörper CH65 wurde den Forschern zufolge im Blut einer Versuchsperson gefunden, die sich 2007 gegen Grippe hatte impfen lassen. Wissenschaftler Stephen Harrison sagte dazu: „Das zeigt uns, dass das menschliche Immunsystem sehr wohl in der Lage ist, Antikörper zu entwickeln, die gegen verschiedene Generationen von Influenza-Viren wirken“.
Der Antikörper CH65 könnte nun das Umgehen der saisonalen Impfstoffanpassung der Medizin ermöglichen.

Wie im Falle einer universellen Grippeimpfung, bei der die Aktivierung des körpereigenen Immunsystems eine entscheidende Rolle spielt, so auch bei einem Medikament, das gegen alle Grippetypen wirken soll.
Das Ziel der Forscher war es, die angeborene Immunabwehr in der Lunge gegen Grippeviren zu mobilisieren. Dazu setzten sie einen cytokinen  Wachstumsfaktor namens GM-CSF ein.
Er sorgte in Experimenten mit Mäusen für eine erhöhte Zahl von Immunzellen in der Lunge, was effektiv den ansonsten tödlichen Verlauf einer nachfolgenden Infektion mit Influenzaviren verhinderte.
Im Gegensatz zu einer Impfung wäre eine solche Therapie sehr schnell und wahrscheinlich gegen alle Typen von Grippeviren wirksam, schrieben die Wissenschaftler vom Health Science Center der University of Texas in der Fachzeitschrift „American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine“. GM-CSF-Präparate werden bereits als Injektionen zur Behandlung bestimmter Krankheiten eingesetzt und haben sich als gut verträglich erwiesen. Dabei könnten klinische Studien zum Grippeschutz schon bald beginnen.
Trotzdem werde es noch Jahre dauern, glauben die Forscher, bis diese Form der Vorbeugung oder Therapie allgemein verfügbar sein wird.

Bis eine neue Art von Grippeimpfung oder Medikament als Prophylaxe oder Therapie auf den Markt kommt, bleibt es bei der jährlichen Grippeimpfung wohl bei „Oder und auch, zwar und jedoch, gegen, aber, wenig sinnvoll, im Herbst oder später oder gar nicht bei Senioren!“
Manchmal könnte man bei den jährlich wiederkehrenden  Schlagzeilen und Berichten über die Grippe lachen. Und „Lachen ist die beste Medizin“ - sollte man meinen, ABER (!) zum Lachen ist das alles zu ernst. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO erkranken jährlich weltweit 3 bis 5 Millionen Menschen an der saisonalen Grippe. 250.000 bis 500.000 sterben daran, (April 2011).
Wir haben JEDOCH Glück! Denn wir leben in Zeiten der Genetik und ihrer zahlreichen Gebiete.
Nach Entwicklung geeigneter Analysenmethoden für Organismen mit sehr kurzen Generationsdauer und der damit verbundenen ungeheuren Vermehrungsquote öffneten sich für die Bakterien /Viren-Genetik ungeahnte Möglichkeiten.
Nicht nur Geräte, Software, Daten stehen bereits Gewehr bei Fuß, sondern auch unser Immunsystem, (Immunsystem, lateinisch immunis, im übertragenen Sinne unberührt, frei, rein).
 Durch diese Kombination können wir in naher Zukunft, wenn auch nicht „unberührt“ davon kommen, dann zumindest  befreit werden von Viren, Bakterien & Co. -  mit weniger Nebenwirkungen als heute.






Dienstag, 30. Oktober 2012

Honi soit qui mal y pense

Wohin eine falsche Interpretation schon führen kann!
oder
- Ein Schelm, wer Böses dabei denkt -

Sonntag, 7. Oktober 2012

Unser täglich Kaffee….

...ob in seiner schwärzesten schwarzen Variante, „befleckt“ mit einer kleinen Milchschaumhaube oder er(graut)weißt durch den hohen Milch-Anteil.

Kaffee bedeutet nicht nur ein länger anhaltendes Genuss-Empfinden oder eine heiße Nummer  à la  „Coffee to go“. Die Liebe zum Kaffee wird verstärkt  durch seine mittlerweile bekannt gewordenen „Nebenwirkungen“. Denn in den letzten Jahren bescheinigen immer mehr Studien dem aromatischen Heißgetränk eine vorbeugende Wirkung  bei verschiedenen Krankheiten. Einige nicht abschließende Beispiele aus der Ärztezeitung und dem Ärzteblatt: 
Kaffee gegen Depression
Bei Frauen, die regelmäßig Kaffee trinken, sind Depressionen seltener als bei Kaffee-Abstinentinnen. Der Schutz ist nicht sehr ausgeprägt, doch sinkt das Risiko immerhin um bis zu zwanzig Prozent. Das zeigt eine Studie in den USA. Keine Wirkung zeigt koffeinfreier Kaffee;
Mehr Kaffee, weniger Diabetes
Mit vier Tassen Kaffee pro Tag ist das durchschnittliche Risiko für Diabetes vom Typ 2 um 23 Prozent geringer als mit nur einer Tasse. Zu diesem Befund kommt eine Studie mit mehr als vierzigtausend Personen in Deutschland;
Schmerzmittel mit Koffein wirken besser
Die Chance, dass ein Schmerzmittel die Schmerzen lindert, steigt um zehn Prozent, wenn es neben dem Wirkstoff auch Koffein enthält. Das zeigt die Auswertung von 19 Studien mit insgesamt über siebentausend Patienten. Bei Mitteln, die kein Koffein enthalten, kann man mit einer Tasse Kaffee die gleiche Wirkung erzielen;
Kaffee gegen Alzheimer
Kaffee senkt das Risiko für Alzheimer, weil er die Zellen anregt, einen Wachstumsfaktor namens GCSF zu bilden. Dieser sorgt im Gehirn für die Bildung neuer Zellen und für die Entsorgung schädlicher Proteine;
Kaffee senkt Blutdruck
Auf lange Sicht, und nur bei Nichtrauchern, senkt eine Tasse Kaffee pro Tag den Blutdruck um bis zu neun Millimeter Quecksilbersäule. Das zeigt eine Studie am Universitätsspital Lausanne. Die Forscher vergleichen die Wirkung des Kaffees mit der des Joggens: Nach Sport wie nach Kaffee steigt der Blutdruck kurzfristig an, sinkt aber langfristig auf tiefere Werte ab. Bei Rauchern funktioniert das nicht, weil Nikotin den Abbau des Koffeins in der Leber beschleunigt;
Weniger Hautkrebs dank Kaffee
Bestimmte Arten von Hautkrebs, etwa Basaliome oder Spinaliome, entwickeln sich seltener bei Frauen, die täglich sechs oder mehr Tassen Kaffee trinken. Nur koffeinhaltiger Kaffee zeigt diese Wirkung. Es greift offenbar Enzyme an, die Krebszellen vor einem Angriff des Immunsystems schützen.

Endlich ein Genussmittel, ohne sündhafte Nebenwirkungen, das wegen seiner Annehmlichkeiten und mit Rücksicht auf seine wohltuenden Eigenschaften ohne schlechtes Gewissen genossen werden darf - meinte man bis vor ein paar Tagen. Dann die Schock-artige Verkündung in allen Medien: Furan im Kaffee!
Als ob erst jetzt und nicht seit Jahrzehnten Furan im Kaffee und grundsätzlich in Lebensmitteln nachgewiesen worden wäre. So wurde Furan bisher beispielsweis in Kaffee, gekochtem und gebratenem Fleisch, Brot, Frühstückscerealien, Popcorn, Kaffee, Kakao gefunden, und insbesondere in Nahrungsmitteln, die geröstet oder in geschlossenen Behältern erhitz wurden, wie die Fertiggerichte.
Eine mögliche Erklärung hierfür liefern die Ergebnisse aus verschiedenen Untersuchungen. Sie deuten darauf hin, dass  der erhitzungsbedingte Zerfall von Aminosäuren, Zucker oder weiterer Inhaltsstoffe wie Vitamin C, mehrfach ungesättigte Fettsäuren eine entscheidende Rolle zur Furanbildung beitragen. Da aber Furan eine leicht flüchtige Substanz ist - Siedetemperatur 32⁰ C - wird die Höhe des Furangehalts von der Zubereitungsart des Lebensmittels beeinflusst.

Das lässt sich am Beispiel Kaffee sehr gut verdeutlichen.
In einer Untersuchungsreihe bestimmten Experten des Chemischen-  und Veterinäruntersuchungsamts  Karlsruhe (CUVA) den Furangehalt von Rohkaffeebohnen über geröstete Kaffeebohnen  bis zum Kaffeegetränk in der Tasse.
Es stellte sich heraus, dass die aus den
unbelasteten Rohkaffeebohnen (kein Furan nachweisbar)  entstandenen gerösteten Kaffeebohnen eine Furankonzentration von 4.600 µg /kg aufweisen.
Deren Weg bis zum heißgeliebten aromatischen Getränk in der Tasse führt über unterschiedliche Zubereitungsverfahren. Dem entsprechend schwankten die Ergebnisse aus der CUVA- Untersuchungsreihe je nach Zubereitungsart zwischen 1,65 und 13,2 µg Furan pro Tasse (150 ml):
Eine Tasse aus Pulverkaffee  hatte 1,65 µg Furan.
In einer Tasse aus der Kaffeemaschine waren 2,7 µg Furan.
In einer Tasse von Hand aufgebrühten Kaffee konnten 3,0 µg Furan nachgewiesen werden.
Eine Tasse aus Espressopulver hatte zwar 6,6 µg Furan, jedoch hat eine typische Espresso-Tasse ein Fassungsvermögen von 25 bis 40 ml.
Die Höchstwerte lieferten die Kaffeegetränke aus der French Press mit 7,5 µg Furan / Tasse und
aus dem Kaffeevollautomat  mit 13,2 µg Furan / Tasse.
Die Ergebnisse der Karlsruher Testreihe zeigen deutlich, dass  je offener der Zubereitungsbehälter, desto mehr Furan entweicht und somit weniger Furan im Getränk bleibt.

Dennoch können laut CUVA die bisher ermittelten Furanwerte für den Verbraucher keine konkreten Schlussfolgerungen liefern.
Würde man die übliche Vorgehensweise voraussetzen und einen Sicherheitsfaktor von 1000 berücksichtigen, ergäbe sich eine maximale zulässige Aufnahmemenge von 2 µg Furan / kg Körpergewicht.
Für einen durchschnittlichen Erwachsenen  von 75 kg läge dann die maximale zulässige Aufnahmemenge bei 150 µg Furan pro Tag.
Um diesen Wert zu erreichen, müsste der durchschnittliche Verbraucher bei der üblichen Tassengröße von 150 ml demzufolge 91 Tassen Kaffee aus Pulverkaffee oder 23 Tassen Espresso trinken. Bei Kaffee aus dem Kaffeeautomaten wäre die zugrunde gelegte max. zulässige Aufnahmemenge bereits mit 11Tassen (!) erreicht.

Für Erwachsene gilt der Konsum von Kaffee als Hauptquelle für Furan. Und die Anzahl der Kaffee-Liebhaber in Deutschland  ist nicht ohne Bedeutung. Dem Deutschen Kaffeeverband zufolge  konsumiert jeder Deutsche durchschnittlich über 150 Liter Bohnenkaffee pro Jahr (2011). Das entspricht 6,4 Kilogramm pro Kopf Konsum von Kaffee.
Schon aus diesem Grund und weil es sich Furan im Tierversuch mit höheren Dosen als krebserregend und erbgutschädigend erwiesen hat, sei eine genaue Kenntnis der Belastung der Konsumenten durch den Kaffeegenuss  von wesentlicher Bedeutung für den gesundheitlichen Verbraucherschutz - so das Bundesamt für Risikobewertung (BfR).
Das BfR geht derzeit davon aus, dass das gefährdungspotential von Furan  für Menschen noch nicht vollkommen geklärt, da die Übertragung der Befunde aus den Tierversuchen auf den Menschen nur bedingt möglich sei. Außerdem würden es Kenntnisse über Wirkungen im  relevanten  niederen Dosisbereich fehlen -wie sie in Kaffee, Lebensmitteln allgemein vorkommen.

Fazit: Nach  BfR- Einschätzungen lägen derzeit keine Belege vor, die begründen könnten, dass die Furanbelastung durch Lebensmittel gesundheitlich bedenklich sein könnte.
Aus diesem Grund gebe es derzeit auch keine Anhaltspunkte, die den Verbraucher dazu veranlassen sollten, seine Ernährungs- und Essgewohnheiten zu ändern, um speziell die Exposition an Furan zu vermeiden.




„Kaffee ist nur schädlich, wenn Ihnen ein ganzer Sack aus dem fünften Stock auf den Kopf fällt."
                                        -    Albert Darboven, Unternehmer      -



Dienstag, 18. September 2012

Wieviel CO2 hinterlässt du? | Global ideas

Rülpsende Nutztiere sind für 15 Prozent der weltweiten Methanemission verantwortlich – und Methan ist zwanzigmal schädlicher als CO2! Wilfried Dochner von der Universität
Stuttgart hat eine Kautablette entwickelt, welche die Entstehung
von Methan im Magen der Wiederkäuer verhindern soll.Das verhindert Rülpser – und hält die Umwelt methanfrei.
Am anderen Ende der Welt, in Neuseeland, geht man jetzt an die Wurzeln des Übels ran.Man werde dort Grassorten entwickeln, die dafür sorgten, dass sich in den Tiermägen weniger Rulps bildet, als früher.


Lebensmittel: Elemente eines Krimi-Thrillers

In unseren an ökologisch nachhaltigem Management orientierten Zeiten gewinnt die Ökobilanzierung von Lebensmitteln an Bedeutung. Der Grund dafür ist, dass  immer mehr Menschen auf die Umweltverträglichkeit ihres täglich Brot-und Fleischkonsums achten.
Und das verwandelt die für uns unentbehrlichen und an sich „unschuldigen“ Lebensmittel  in Protagonisten eines wahren Krimi-Thrillers. Denn die Bereitstellung unserer Nahrung beteiligt sich erheblich am Anstieg des Klima-Killers CO2.

Nach aid-Schätzungen produziert ein Mensch, der durchschnittlich 500 kg Lebensmittel im Jahr konsumiert, etwa 2 t CO2. Etwa 45 % davon entstehen von der Erzeugung in der Landwirtschaft  bis zum Supermarkt, der Rest bei Lagerung, Einkauf(sfahrten) und Verarbeitung (Spülen, Erhitzen, Kühlen), sowie spätere Entsorgung bzw. Verwertung.

Um die Übeltäter - Hersteller, Produzenten, Lieferanten, Verbraucher - auf den Pfad eines umweltverträglichen Konsums zu führen, muss man wissen, wo die CO2-Bombe steckt.
Dies bedarf  eines sachlich fundierten „Ranking“ der Lebensmittel, basierend  auf der Menge an produziertem Klimakiller -CO2, die bei der Herstellung, Lieferung und Nutzung eines Lebensmittels anfällt. Da das einzelne Lebensmittel mit seiner spezifisch ausgeprägten CO2-Spur Klimarelevanz besitzt, ist ein derartiges Ranking ohne weiteres möglich.
Als Maß hierfür dient der sogenannte „CO2-Fußabdruck“, (aus dem Englischen = Product Carbon Footprint, PCF).
Mit dem CO2-Fußabdruck von Lebensmitteln werden  neben CO2 auch die anderen in den  Treibhausgasen vorhandenen Klimakiller „erspürt“, wie das Methan/ CH4 oder das unter dem Trivialnamen bekannte Lachgas/ N20. Um sie berücksichtigen zu können, ist es notwendig, eine entsprechende einheitliche Bemessungsgrundlage festzulegen,  die sogenannten „CO2-Äquivalente“.
Umgerechnet in „CO2-Äquivalente“:

1 kg CH4 entspricht ca. 25 kg CO2
1 kg N20 entspricht ca.300 kg CO2

Einige Beispiele:
Mischkost bzw. fleischbetonte Kost: schlagen mit ca. 0,9 bis 2,0 t CO2-Äquivalenten pro Jahr zu Buche. Ursache ist unter anderem das klimaschädliche CH4, die bei der Rinderhaltung  entsteht, und Methan ist über 20-mal schädlicher als CO2.
Vegetarier: verursachen ca. 0,5 bis 1,2 t CO2-Äquivalente pro Jahr. Denn auch beim Anbau von Pflanzen, deren Verarbeitung -beispielsweise starke oder weniger  starke Düngung - und Transport werden CO2 und CO2-Äquivalente produziert.
Restaurantbesuche: sind relativ energieintensiv, da hier in der Regel Gasträume ständig für Gäste bereitgehalten werden (Beleuchtung, durchgehend beheizt). Die Gerichte werden außerdem meist individuell und somit energieaufwendig zubereitet.

Und dann im Alter!!!
Die 63- bis 65-Jährigen produzieren pro Kopf am meisten CO 2. Das ist das Ergebnis einer Studie von Forschern vom Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock. Die Studie bezieht sich allerdings nicht nur auf Lebensmittel, sondern auch auf andere Produkte, die einen hohen CO2-Ausstoß haben, wie  etwa Autosprit, Heizöl, Strom und Flugreisen.
Demnach beginnt das Leben mit knapp zwei Tonnen CO 2 pro Kopf und Jahr, um dann mit neun Jahren steil anzusteigen.
Mit Mitte 20 flacht die Kurve bei knapp zehn Tonnen ein klein wenig ab, um dann zum Renteneintrittsalter mit 63 bis 65 den Kulminationspunkt bei 14,9 Tonnen pro Kopf und Jahr zu erreichen. Danach geht es wieder abwärts. Im Alter von 82, bis dahin reichen die Berechnungen, ist der Mensch dann bei 13,1 Tonnen. Bei Hochbetagten dürfte sich dieser Abwärtstrend aber weiter fortsetzen.

Mittlerweile gibt es CO2-Rechner im Internet, mit deren Hilfe jeder seine persönliche CO2-Bilanz und der dadurch entstandene CO2-Fußabdruck ermitteln, eigene Werte mit dem deutschen Durchschnitt vergleichen kann. Die eigene Bilanz  ermöglicht Schlüsse über Auswirkungen des eigenen Handelns zu ziehen - mit Bezug auf Lebensmittel vor allem über Essgewohnheiten. Ein Beipiel:

Eine auf schlanke Linie bedachte Frau, ein Vegetarier, ein Mann, mit fleischbetonter Kost 

Die Frau und der Vegetarier erweisen sich als wahrhaftige Ökoschützer. Sie verursachen zwischen
1,28 (fleischreduzierte Kost) und 1,16 t CO2- pro Jahr. Der überwiegend Fleischgenießer wird zu Ökokiller. Er kann es bis auf rund 2,00 t CO2- pro Jahr schaffen.
Bei diesem Unterschied  können sich die Frau und der Vegetarier ohne Gewissensbisse einen Flug hin und zurück nach Paris, sogar nach Palma de Mallorca leisten. Ihre Bilanz bleibt immer noch unter der des Fleischessers. Die Emissionsbilanz des Fluges Frankfurt-Paris  = 0,24 t CO2-Ausstoß, der Flug Frankfurt-Palma verursacht eine Emission von rund 0,8 t CO2.

Trotz der heutigen Möglichkeiten zur Ermittlung von CO2-Äquivalenten für Lebensmittel, bieten diese dem Verbraucher nach Einschätzung der Klimaforscher nur eine eingeschränkte Orientierung.
Die Vielzahl unwägbarer Einflüsse auf den CO2-Fußabdruck eines einzelnen Lebensmittels sei einfach zu groß. Das reiche von der Beschaffung von Lebensmitteln aus völlig unterschiedlichen Herkunftsländern mit vollkommen anderen Produktionsmethoden bis zur individuellen Behandlung des Produktes durch den Verbraucher. Und es stehen zurzeit keine einheitlichen Bilanzierungsregeln zur Verfügung.


Dennoch kann bereits heute gesagt werden: die Übeltäter im Bereich Lebensmittel sind durch hinterlassene CO2-Fußabdrücke mit Klima-Killer Potenzial, überführt und vorläufig verwarnt .Mit Auflagen.
Die Auflagen bedeuten neue Strategien für den weltweiten Klimaschutz, weil  nach einer Studie des Potsdam  Instituts für Klimafolgeforschung reichen die derzeitigen Verpflichtungen zur Verminderung der Treibhausemissionen nicht. Die Autoren der Studie fordern einen definierten pro-Kopf Ausstoß für alle Menschen weltweit, der nicht überschritten werden darf.
D. h., wie das Ökoinstitut präzisiert, für das Jahr 2050, bei einer Weltbevölkerung von dann neun Milliarden Menschen,  zulässige Gesamtemissionen (Produkte und Lebensmittel) von etwa zwei Tonnen CO2-Äquivalenten - unser heutige CO2-Fußabdruck nur für Lebensmittel!

Also, vertrauen auf 2050, Vertrauen in die bis dahin von (Klima-belastender)Schuld  frei gesprochenen Lebensmittel und in eine Welt, in der die heutigen Übeltäter wieder in die Reihen unbescholtener Bürger zurückgekehrt sind…. sogar dann, wenn sie als Hersteller und Lieferanten  argentinisches Rinderfleisch, Lammfleisch aus Neuseeland, Gemüse und Obst aus aller Herren Ländern und zu jeder Jahreszeit zum Verzehr in Verkehr bringen, für deutsche Verbraucher - die diese Elemente des Lebens auch genießen dürfen.




Dienstag, 28. August 2012

Doktor, Doktor - Max Raabe

...

Doktor, Doktor schnell mal Blutdruck messen
Sonst kann ich das mit der Liebe vergessen
Doktor, Doktor bitte helfen sie mir bald
Ich hoffe doch, dass das die Kasse zahlt




Spannung auf dem IGeL- Markt


Selbstmanagement in  Sache Gesundheit und  Selbstverpflichtung zum klimabewussten Verhalten in Bezug auf Lebensmittel  kennzeichnen hauptsächlich  den Weg einer gesunden uns nachhaltigen Lebensführung. Weil Gesundheit nichts anderes ist als die Fähigkeit des Individuums, die eigenen Gesundheitspotenziale auszuschöpfen und auf die Herausforderungen der Umwelt zu reagieren, (WHO Definition:1988).
Leider machen sich im Lebensführungs-Dickicht nicht nur die Ernährung oder der CO2- Fußabdruck bemerkbar, sondern eine Vielzahl weiterer unwägbarer Einflüsse und anderer umweltrelevanten Aspekte.
Es kann sich um einen krankmachenden Reiz handeln, der im Organismus zu Störungen der normalen Lebensvorgänge führt. Diese Störungen sind mit einer Herabsetzung der Leistungsfähigkeit und meist mit wahrnehmbaren Veränderungen des Körpers verbunden. Kurz, es geht um mehr oder weniger schwere Krankheiten. Bei ihrer bestmöglichen ärztlichen Versorgung spielt neben Diagnose und Therapie die Früherkennung eine bedeutende Rolle.

Damit betreten wir den IGeL-Markt. Denn zu den am häufigsten angebotenen IGeL gehören sogenannte Vorsorge- oder Früherkennungs-Untersuchungen und jede fünfte angebotene IGeL ist ein Ultraschall der Eierstöcke zur Krebsfrüherkennung, die sonographische Ovarialkarzinom-Prophylaxe.  Das ist die (Dienst)Leistung, die neuerdings für erhebliche Verunsicherung  auf dem IGeL-MARKT sorgte.   

Die Entscheidung des Versicherten als Konsument einer Leistung des IGeL-Markts  wird möglicherweise von  widersprüchlichen Ansichten und Einsichten verschiedener Akteure auf dem IGeL-Markt beeinflusst. Maßgeblich ist aber der Arzt.
Nun hat die Verbraucherzentrale NRW mehreren Frauenärzten vorgeworfen,  ausdrückliche Empfehlungen für den Ultraschall der Eierstöcke zu machen oder sie als „einzige sinnvolle Leistung“ zur Krebsvorsorge zu bewerben. Die „Meister des Verkaufs“ wurden abgemahnt. Durch die Abmahnung sollen sie gezwungen werden, derartige Werbeaussagen zu unterlassen.

Denn einen sicheren Nachweis, dass die Ultraschalluntersuchung der Eierstöcke bei der Krebsfrüherkennung nützlich ist, fehle noch. Dies hatte Mitte letzten Jahres eine Studie des Deutschen Instituts für medizinische Dokumentation ergeben. Die Studie zeigt, dass Krebs im Frühstadium mit dem Ultraschall nicht häufiger festgestellt werde als ohne diese Untersuchung, Die Wissenschaftler fanden auch keinen Beleg dafür, dass eine frühe Behandlung die Sterblichkeit senken könne oder mit einer höheren Lebensqualität zu rechnen sei. Mit Ultraschall sollen zudem oft Auffälligkeiten entdeckt werden, bei denen nicht sicher ist, ob es sich um Krebs handelt. Dann sind weitere Untersuchungen notwendig, meist ein operativer Eingriff, jedoch nur bei 5% der operierten Frauen soll dann Krebs gefunden worden.

Basierend auf dieser Studie bleibt die GKV bei ihrer Einschätzung, dass durch  „ein jährliches Abtasten ab dem 20. Lebensjahr“  die „fünfthäufigste Krebstodursache bei Frauen“- so die Ärzteschaft – rechtzeitig erkannt werden kann. Und der Ultraschall der Eierstöcke zur Krebsfrüherkennung wird im Igel-Monitor mit „negativ“ bewertet. Das bedeutet, dass der Schaden dieser IGeL deutlich höher als ihr Nutzen sei.

Andererseits  sagen nicht nur niedergelassene Ärzte, sondern auch Universitäts-Frauenkliniken, dass der Ultraschall der Eierstöcke eine der wichtigsten Untersuchungsmethode darstelle. Moderne Geräte mit hoher Bildauflösung ließen  häufig einen relativ sicheren Schluss zu. Zur Erhärtung oder zum Ausräumen eines Verdachtes stünden dann weiterführende Methoden zur Verfügung.  Bei deren Einsatz ginge es im Wesentlichen darum, den Verdacht der Bösartigkeit zu belegen oder auszuräumen.

Ja, was nun, wenn GKV-Patientin, gegen Bares in einer Höhe zwischen 16 und 31€ gefühlte Privatpatientin, die  Möglichkeit zum Ultraschall mit Farbdoppler und Duplex-Sonographie ggf. weiterführende Methoden im Fall eines bösartigen Verdachts in Erwägung ziehen, oder als bewusste GKV-Patientin weiterhin nur der Tastuntersuchung vertrauen – als die einzige medizinisch sinnvolle Früherkennung -Möglichkeit?
In dieser hitzigen Atmosphäre dann die Nachricht:  das Bundeskabinett hat die Verbesserung der Krebsvorsorge beschlossen. Mit dem am 22.08.12 verabschiedeten Gesetzentwurf sollen Maßnahmen zur Verbesserung der Früherkennung und der Qualität in der onkologischen Versorgung auf den Weg gebracht werden.
Künftig sollen die Versicherten umfangreicher zur Früherkennung eingeladen werden.
Neben diesen Einladungen sind in allen Krankenhäusern zur Verbesserung der Datenlage einheitlich gestaltete Krebsregister einzurichten. Diese Register, die Daten der Patienten zur Diagnose, Behandlung, Nachsorge und Rückfällen erfassen, sollen  dann  miteinander verglichen werden können. 


Gemäß den Neuregelungen entstünde für die Versicherten kein finanzieller Druck, beispielsweise in der Art von finanziellem Anreiz oder  Genuss geringerer Zuzahlungen für Medikamente bei regelmäßiger Teilnahme an Krebsfrüherkennung -Untersuchungen. 
Bei dem „richtungsweisenden“ Gesetz setzt der Bundesgesundheitsminister auf Freiwilligkeit. So müsse der Einzelne frei entscheiden können, ob er die Früherkennung für sinnvoll halte.


Künftig soll es also per Gesetzt Fortschritte bei der Therapie und Früherkennung geben.
Was aber wenn durch eine Früherkennungsmaßnahme  weiterhin etwas entdeckt werden kann, was gar nicht schlimm sein muss , jedoch Folgeuntersuchungen oder sogar einen (unnötigen?) Eingriff nach sich zieht? Weitere Studien  zur Nutzen-Schaden-Bilanz sind unerlässlich.
Zudem müsse die (Dienst)Leistung nach wie vor dem Wirtschaftlichkeitsgebot genügen.  Aber  vielleicht gelangt man nach Verabschiedung des Gesetzes im Bundestag zum Gebot einer gemischten Wirtschaftlichkeit, so z. B. wie Kosten der aufgeklärten Straftat die Kostenwirksamkeit ergeben, so könnten auch die Kosten der gegebenen Möglichkeiten in der Behandlungsrealität im Verhältnis zum vollkommenen Heilungsideal die Kostenwirksamkeit ergeben.
Es klingt gar nicht so abwegig. Es geht eigentlich um Kapital, gesundes, menschliches Kapital. Und der Gewinn zu diesem Kapital ergibt die Rendite.


Es bleibt spannend auf dem IGeL-Markt.