Samstag, 1. Oktober 2022

Die Kaffee-Automaten

Dem Kaffee-Genuss werden in Deutschland keine Grenzen gesetzt. Auch in der Corona-Krise nicht. Ganz im Gegenteil! Der Kaffeekonsum in Deutschland legte Medienberichten zufolge im Corona-Jahr 2021 mit 0,4 Prozent erneut zu, nachdem er bereits in Corona - Jahr 2020 ein Wachstum von 1,5 Prozent verzeichnen konnte. Das entspreche pro Kopf einer Steigerung von 168 auf 169 Liter Kaffee, berichtete der Deutsche Kaffeeverband.

Parallel zum größeren Kaffeedurst haben die Menschen auch ihre Kaffeemaschinen aufgerüstet. Inzwischen besitze fast jeder dritte Haushalt einen Vollautomaten.
Auch alle weiteren Kaffee-Varianten für die Zubereitung zu Hause seien im Corona-Zeit vermehrt gekauft worden. Kaffeemixgetränke in Pulverform legten um gut sieben Prozent zu, Kaffeepads um sechs Prozent und löslicher Kaffee um fünf Prozent. Zudem seien vier Prozent mehr Kaffeekapseln verkauft worden.

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Bei den Kaffeevollautomaten läuft zwar die Reinigung auf Knopfdruck mithilfe eines integrierten Programms ab. Jedoch die Kombination Feuchtigkeit und Wärme im Zusammenhang mit dem feinen, fetthaltigen Kaffeestaub bietet ideale Voraussetzungen für das Gedeihen von Schimmel- und Hefepilzen, Bakterien und Keimen.
Ebenso können Bereiche des Innenlebens von Pad- und Kapselmaschinen wie beispielsweise die Kaffeesatzbehälter und die Abtropfschale von gefährlichen Schimmel- und Hefepilzen, Bakterien und Keimen befallen werden.

Am besten wird die Kaffeemaschine soweit wie möglich auseinander gebaut; zur Reinigung können die Einzelteile, sofern dies vom Hersteller als möglich deklariert wird, in den Geschirrspüler geben. Ansonsten hilft ein Bad in Essigwasser, der Rest des Geräts kann mit derselben Lauge ausgewischt werden, um Schimmel vorzubeugen.

Wird die Maschine nicht regelmäßig gereinigt und entkalkt, kann sich Schimmel bilden – und dieser stellt ein hohes Gesundheitsrisiko dar.
Alarmsignal für eine verunreinigte Maschine können ranziger, muffiger Geschmack des Kaffees sein.

Aus diesem Grund sollten die Geräte grundsätzlich regelmäßig gewartet und entkalkt werden - mindestens einmal im Monat. Dabei sollten ein paar grundsätzliche Punkte beachtet werden:
Um einer starken Verkalkung oder Verunreinigung vorzubeugen, sollten ein paar grundsätzliche Punkte beachtet werden:
•    Maschine regelmäßig auswischen, Einzelteile unter fließendem Wasser abspülen
•    Regelmäßige Entkalkung und Komplettreinigung einplanen
•    Wasser und Bohnen am besten immer frisch einfüllen und das Wasser nicht über Nacht im Tank stehen lassen
•    benutzte Kaffeefilter, Kapseln oder Pads nicht in der Maschine vergessen, sondern sofort entsorgen
•    bei Vollautomaten: Die Brühgruppe bzw. -einheit regelmäßig unter heißem Wasser abspülen und anschließend gründlich trocknen lassen

Denn

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„Die beste Methode, das Leben angenehm zu verbringen, ist, guten Kaffee zu trinken. Wenn man keinen haben kann, so soll man versuchen, so heiter und gelassen zu sein, als hätte man guten Kaffee getrunken.“

Jonathan Swift
Irischer Schriftsteller
1667-1745 

Mittwoch, 31. August 2022

Die Autoimmunität: die körpereigenen Zellen zerstörende Abwehr

Spätestens seit Beginn der Corona-Krise ist der Begriff IMMUNITÄT  ein nicht mehr wegzudenkender Begriff geworden.
IMMUNITÄT kommt aus dem Lateinischen IMMUNITAS für „Freiheit von …“ oder IMMUNIS für „frei von …“.
Für die Gesundheit bedeutet IMMUNITÄT „frei von Krankheit“.
D. h., dass der Organismus genügend (angeborene oder erworbene)  Abwehrmechanismen besitzt, die ihn gegenüber bestimmten krankmachenden Antigenen wie Bakterien, Viren, Pilze unempfindlich machen.

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 Was aber, wenn die Ursache für eine Krankheit im eigenen Immunsystem liegt?

Jede Körperzelle trägt auf ihrer Zellmembran bestimmte Moleküle, die sie als körpereigene Zelle ausweist. Normalerweise geht das IMMUNSYSTEM gegen diese so gekennzeichneten köpereigenen Zellen nicht  vor.
Fremde Zellen haben diese Moleküle nicht oder haben andere und werden aus diesem Grund von Abwehrmechanismen angegriffen. 

Bei einem eigenen „defekten“ Immunsystem jedoch, hält das Abwehrsystem bestimmte körpereigene Zellen für fremd und versucht sie zu zerstören.
Je nach AUTOIMMUNKRANKHEIT sind bei dieser Zerstörung die verschiedenen Bestandteile des Immunsystems beteiligt - die „Autoantikörper“.
 So z. B spielen bestimmte Proteine - wie die ZYTOKINE,  eine Gruppe von weißen Blutzellen - wie die T-Zellen, (T-Lymphozyten), die Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse eine wichtige Rolle für immunologische Reaktionen und bei Entzündungsprozessen.  
Ausschlaggebend ist dabei der sogenannte  „Autoantikörpertiter“. Er ist die Maßzahl für eine Antikörpermenge als Kriterium für die Diagnose einer Autoimmunerkrankung. Ein Überschreiten eines gegebenen Titers gilt dann als pathologisch.

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Dabei können je nach Erkrankung, jegliches Gewebe und jeglicher Organ angegriffen werden. So kann die Haut angegriffen werden, wie bei Psoriasis (Schuppenflechte), die Knorpel und Gelenke wie bei der rheumatoiden Arthritis, oder es können chronisch- entzündliche Darmerkrankungen, wie bei Morbus Crohn bzw. nur Entzündungen des Dickdarms wie bei Colitis Ulcerosa oder die Zuckerkrankheit Typ I - Diabetes ausgelöst werden und bei einem infektionsbedingten  Zytokinsturm kann die „falsche“ Abwehr bis zum Koma führen -  um ein paar Beispiele zu nennen.

Da viele Autoimmunerkrankungen heute noch nicht ursächlich behandelbar  sind, bleiben sie oft lebenslang bestehen. Um Beschwerden zu lindern bzw. die Zerstörung  der betroffenen Organe hinauszuzögern oder aufzuhalten, werden entzündungshemmende Medikamente eingesetzt.  
Zu den heute verfügbaren Therapien gehört noch immer die Behandlung mit sogenannten „IMMUNSUPPRESSIVA“ , d.h. Medikamente zur Unterdrückung der Gesamtaktivität des Immunsystems.  Das bedeutet allerdings auch, eine Schwächung des Immunsystems, was wiederum ein erhöhtes Risiko für andere Erkrankungen auslöst.
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Was wäre, wenn man gezielt auf die betroffenen Gewebe und Zellen einwirken würde und nicht auf das Immunsystem insgesamt?  

Nur die Hoffnung  nicht aufgeben!
Denn es gibt sie schon, die Arzneimittel, die gezielt in die Vorgänge des Körpers eingreifen können: die Biologika. Es sind die Arzneimittel, die mit Mitteln der Biotechnologie und gentechnisch veränderten Organismen hergestellt werden.  

Diese neuen biologischen Therapien haben nicht nur die Krebsbehandlung vorangetrieben, sondern gewinnen mittlerweile auch als fortschrittliche Behandlungen für andere schwere Krankheiten wie Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, rheumatoide Arthritis und andere Autoimmunerkrankungen zunehmend an Bedeutung.
Entscheidend für den Erfolg der gezielten Therapien sei laut den Referenten des achten Internationalen klinischen Symposiums des „Precision Medicine in Chronic Inflammation“ (Hamburg, Juli2022), dass diese  gezielt in die Kommunikation zwischen Immunzellen eingreifen und so besser an die konkrete Krankheit angepasst sind. Allerdings sei hierzu noch viel Forschung nötig.

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Die Corona-Pandemie hat uns gezeigt, was Dank der Gesundheitsforschung möglich ist. Noch nie zuvor wurde in so kurzer Zeit überhaupt ein Impfstoff entwickelt. Und noch nie zuvor gab es einen Impfstoff auf Basis der neuartigen Technologie der Messenger-RNA.
Auch diese neuen m-RNA-Technologien könnten dabei helfen, bei den Betroffenen schwere Entzündungen und  körpereigene Angriffe auf Organe oder das zentrale Nervensystem abzuwenden.  

Und es ist gut so!
Denn die Liste der Erkrankungen, die durch den Angriff des Immunsystems auf den eigenen Körper verursacht werden, sei laut Wissenschaftlern  in den letzten Jahrzehnten auf über 80 gestiegen. Zusammen seien sie in der industrialisierten Welt zur dritthäufigsten Krankheitsursache geworden und bei Frauen, die deutlich häufiger erkranken als Männer, gehören Autoimmunerkrankungen sogar zu den häufigsten Todesursachen.

Sonntag, 31. Juli 2022

Medikamentöse Therapien und die Medikationsanalyse

 Die medikamentöse Therapie gehört zu den wirksamsten und am häufigsten angewendeten ärztlichen Therapien. 

Was heißt eigentlich ein Arzneimittel?
Arzneimittel sind Stoffe oder Zubereitungen aus Stoffen, die zur Anwendung im oder am menschlichen Körper bestimmt sind und als Mittel mit Eigenschaften zur Heilung oder Linderung oder zur Verhütung menschlicher Krankheiten oder krankhafter Beschwerden bestimmt sind oder die im oder am menschlichen Körper angewendet oder einem Menschen verabreicht werden können, um entweder die physiologischen Funktionen durch eine pharmakologische, immunologische oder metabolische Wirkung wiederherzustellen, zu korrigieren oder zu beeinflussen oder eine medizinische Diagnose zu erstellen -/§ 2 Absatz 1 AMG/ Arzneimittelgesetz.

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 Oder kurz gesagt: Arzneimittel in ihren vielfegten Zubereitungen gehören zu den wirksamsten und am häufigsten angewendeten ärztlichen Therapiemöglichkeiten. Diese medikamentöse Therapie soll krankhafte Beschwerden lindern oder heilen oder verhüten. Dabei soll sie allerdings nicht nur nutzen, sondern auch sicher sein. 

Nun können die Arzneimittel NEBENWIRKUNGEN und WECHSELWIRKUNGEN haben.
NEBENWIRKUNGEN sind unbeabsichtigte schädliche Reaktionen, die bei bestimmungsgemäßen Gebrauch eines Arzneimittels auftreten.
In den Beipackzetteln  wird die Häufigkeit der Nebenwirkungen angegeben. Sie beruhen auf den Ergebnissen von klinischen Studien. Sie können, aber müssen nicht auftreten.  
Diese Darstellung von Nebenwirkungen im Beipackzettel berücksichtigen jedoch nicht die Nebenwirkungen, die  beispielsweise nach einer Überdosierung, falscher Anwendungsart oder  einer nicht bestimmungsgemäßen Anwendung auftreten.

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Ein Medikament kann zudem mit anderen Arzneimitteln, mit Lebensmitteln und Genussmitteln wie Alkohol in WECHSEWIRKUNG treten. Experten zufolge sei zweckmäßig, dass insbesondere Menschen, wie chronisch Kranke oder ältere Menschen, die regelmäßig viele Medikamente einnehmen müssen, über mögliche Wechselwirkungen Bescheid wissen.

Nach Schätzungen der WHO sollen in den Industriestaaten bis zu 10 Prozent aller Krankenhausaufnahmen auf derartige unerwünschte Neben – und Wechselwirkungen zurückzuführen sein.
Vor diesem Hintergrund betont die WHO die Notwendigkeit entsprechender Maßnahmen zur Verbesserung der Arzneimittelsicherheit.   

Ein gutes Mittel dafür ist die MEDIKATIONSANALYSE.

In Deutschland hat das Bundesministerium für Gesundheit zur Verbesserung der Arzneimitteltherapie den AKTIONSPLAN ARZNEIMITTELTHERAPIESICHERHEIT / Aktionsplan AMTS ins Leben gerufen.

Im Rahmen des Aktionsplans AMTS wird u.a. die MEDIKATIONSANALYSE verankert.

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Nun dürfen Apotheken bei entsprechender Qualifikation seit 13 Juni 2022 neben der Corona- und Grippeimpfung auch pharmazeutische Dienstleistungen wie ausführliche Medikationsberatungen anbieten.
Dabei wird eine fachliche Einschätzung gegeben, ob die Medikamente in ihrer Gesamtheit optimal eingestellt sind. So lassen sich unerwünschte, womöglich sogar gefährliche Wechselwirkungen vermeiden oder Nebenwirkungen abmildern.

Apotheken können außerdem eine zusätzliche Betreuung bei ärztlich diagnostiziertem Bluthochdruck anbieten, wenn Patienten Blutdrucksenker einnehmen.
Darüber hinaus dürfen Apotheker und Apothekerinnen künftig Einweisungen zu Medikamenten zum Inhalieren bei Atemwegserkrankungen geben.

Es werden auch 2 spezielle Dienstleistungen angeboten: für Tumorpatienten, die eine orale Antitumortherapie erhalten und für Personen, die nach einer Organtransplantation neue Medikamente verordnet bekommen haben, um die körpereigene Abstoßungsreaktion zu hemmen.

Die Krankenversicherungen tragen seit Mitte Juni dieses Jahres die Kosten für die Medikationsberatungen, und zwar einmal pro Jahr für alle, die dauerhaft mindestens fünf ärztlich verordnete Medikamente einnehmen.

Die Medikationsberatung darf nur von einer Apothekerin oder einem Apotheker erbracht werden, wenn diese beziehungsweise dieser zuvor die erforderlichen Kenntnisse erworben hat.
Der Patient muss der Apotheke schriftlich bestätigen, dass er die Voraussetzungen zum Erhalt der Dienstleistung erfüllt.

Zeigt eine Person Interesse an einer Medikationsanalyse, wird ein Termin für ein Gespräch vereinbart.
Zum Termin muss die Person alle ihre Medikamente, auch Nahrungsergänzungsmittel und Präparate der Selbstmedikation, gegebenenfalls vorhandene Medikationspläne oder andere schriftliche Anweisungen sowie etwaige Entlassungsbriefe oder Arztbriefe mitbringen. Von den im Kühlschrank gelagerten Arzneimitteln sollen die Packungsbeilage oder Verpackung mitgebracht werden.

Bei der anschließenden Prüfung der Medikation unter pharmazeutischen Gesichtspunkten der Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) werden dann in der Apotheke unter anderem Anwendungsprobleme, Wechsel- oder Nebenwirkungen oder auch etwaige vorliegende Doppelverordnungen von verschiedenen Ärzten geprüft. So entstehen Empfehlungen, wie der Medikationsplan angepasst werden kann.

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Die Ergebnisse der Medikationsanalyse werden dann in einem Abschlussgespräch besprochen.

Auch der behandelnde Arzt erhält, das Einverständnis der auftraggebenden Person vorausgesetzt, eine aktualisierte Fassung des Medikationsplans sowie einen kurzen Ergebnisbericht.

„Kaum einer, der heute die moderne Medizin kritisiert, wäre ohne sie noch am Leben“

Gerhard Kocher
*7. Februar 1939 in Bern
Schweizer Publizist, Politologe, Gesundheitsökonom, Aphoristiker