Verschiedene Funktionen unseres Körpers verlaufen in Zeiträumen von Minuten, Tagen, Monaten. Viele dieser Funktionen haben einen sich periodisch wiederholenden Zyklus von etwa einer Tageslänge.
Sie werden als „zirkadiane Rhythmen“ bezeichnet, (lat. „circa“ =etwa, ungefähr, „dies“ =Tag).
Temperatur, Puls, Blutdruck, Leber- und Nieren-Funktionen ebenso wie der Schlaf-Wach-Rhythmus unterliegen zirkadianen Rhythmen. Auch die Freisetzung mancher Hormone - wie Hormonen der Nebenniere, die Glukokortikoide, die fast alle Zellen und Organe des Organismus beeinflussen, das Wachstumshormon Somatotropin oder Melatonin, das den natürlichen Schlaf steuert - erfolgt als zirkadianer Muster in 24 Stunden-Rhythmus
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Quelle: Wikipedia |
Über einen längeren Zeitraum gemessen, lassen diese Biorhythmen systematisch mögliche Zusammenhänge erkennen: wann im Körper sich welche Vorgänge abspielen, wann und welche Hormone ausgeschüttet werden und wann die Müdigkeit einsetzt.
Bei gesunden Menschen harmonieren die verschiedenen zirkadianen Rhythmen in ihrem Zusammenspiel.
So ist beispielsweise die Herzaktivität tagsüber höher.
Morgens steigen Puls und Blutdruck, die Atmung beschleunigt sich. Nachts werden die Leberzellen maximal aktiviert – die Entgiftung des Körpers läuft auf Hochtouren.
Früh morgens schießen hohe Mengen des Hormons Cortisol in den Blutkreislauf. Es trimmt uns auf Aktivität und hält den Zucker-, Fett- und Eiweißstoffwechsel in Gang. Der Testosteron-Spiegel im Blut ist auch früh morgens und dann bis über die Mittagszeit hinaus hoch.
Am späteren Vormittag bis Mittag haben wir die größte Leistungsfähigkeit. Zwischen 12 und 15 Uhr erleiden wir unsere niedrigste Leistungsfähigkeit. Ab ca. 15 Uhr haben wir unsere zweitgrößte Leistungsfähigkeit, die höchste Körpertemperatur wie auch Atemfrequenz und Blutdruck, aber die geringste Schmerzempfindlichkeit, da Endorphine hoch.
Das niedrigste Tief erfahren wir zwischen Mitternacht und 3 Uhr, ein Zeitraum, in dem die Ausschüttung des Hormons Melatonin stattfindet.
Auch bei sportlicher Aktivität ist der zirkadiane Rhythmus von besonderer Bedeutung. Dies berücksichtigend kann die individuelle Leistungsbereitschaft durch entsprechende Trainingsmaßnahmen optimiert werden.
Obwohl diese statistischen Daten grundsätzlich relevante Zusammenhänge im rhythmisch regulierten System unserer INNEREN UHR erkennen lassen, stellen sie kein allgemein gültiges Muster für die Funktionsfähigkeit der INNEREN UHREN aller Menschen dar.
Es mischen viel zu viele Faktoren mit, von Menschen mit unterschiedlichster genetischer Prägung.
Zum LERCHEN- Typ gehören die Frühaufsteher. Sie
werden früh wach und sind direkt leistungsfähig, werden aber abends zeitig müde
haben ihren Leistungshoch meist vormittags.
Zum EULEN -Typ gehören die Nachtmenschen.
Diese Menschen können sich morgens nur schwer aufraffen
blühen am Abend auf und gehen sehr spät ins Bett
haben ihre beste Leistung am späten Nachmittag und abends.
Die zirkadianen Rhythmen sind aber von unschätzbarem Wert für Diagnose und Therapien, denn sie können therapeutisch genutzt werden.
Die sogenannte Chronotherapie (grch. Chronos = Zeit) befasst sich mit dem Zusammenhang der inneren Uhr und der Arzneimitteltherapie.
Werden chronobiologische Abläufe berücksichtigt, erhöht sich nachweislich die Wirkung von Medikamenten und verringert unerwünschte Nebenwirkungen. Denn viele Arzneimittel wirken je nach Tageszeit unterschiedlich. Dies basiert auf den jeweiligen körperlichen Vorgängen, die zu einer bestimmten Zeit ablaufen.
Einige Beispiele
Statine sind bekanntlich hochwirksame Medikamente zur Senkung des LDL-Cholesterins, die das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle senken, indem sie die Cholesterinproduktion in der Leber hemmen.
Statine sollen am besten abends eingenommen werden, weil die körpereigene Cholesterinproduktion vor allem nachts während des Schlafens stattfindet.
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Für Mittel gegen zu hohen Blutdruck ist dagegen der frühe Morgen die richtige Tageszeit, da der Blutdruck nachts absinkt und erst im Lauf des Tages wieder ansteigt.
Rheumapatienten, welche Medikamente einnehmen, die auf dem Wachmacherhormon Cortisol basieren, sollen sie am besten in den sehr frühen Morgenstunden einnehmen- idealerweise zwischen drei und vier Uhr. Das Cortison am Abend vor dem Einschlafen zu nehmen ist keine Alternative, sondern gefährdet nur den erholsamen Tiefschlaf.
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Rheumapatienten, welche Medikamente einnehmen, die auf dem Wachmacherhormon Cortisol basieren, sollen sie am besten in den sehr frühen Morgenstunden einnehmen- idealerweise zwischen drei und vier Uhr. Das Cortison am Abend vor dem Einschlafen zu nehmen ist keine Alternative, sondern gefährdet nur den erholsamen Tiefschlaf.
Im Tagesverlauf verändert sich auch das Schmerzempfinden und ist am frühen Nachmittag am geringsten. Diesen Umstand kann man sich zum Beispiel bei der Vereinbarung eines Zahnarzttermins zunutze machen. Das Bohren ist dann nicht mehr so schlimm. Gleichzeitig ist der Nachmittag auch die Zeit, in der Schmerzmittel am effektivsten wirken.
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Wir können diese unsere INNERE UHR nicht beeinflussen. Bereits im Erbgut ist festgelegt, in welchem Rhythmus sie bei jedem einzelnen Menschen tickt. Aber jeder Einzelne unter uns sollte nach bestem Wissen und Gewissen dem Ticken seiner INNEREN UHR folgen. Sie ist doch stets bemüht zu Gunsten „ihres“ Einzelnen zu ticken. Und bei jedem Gesunden schafft sie tatsächlich, verschiedene Rhythmen im Einklang und Harmonie zu halten.
Mediziner sind zudem voller Hoffnung, dass mit immer mehr Erkenntnissen aus dem rhythmisch regulierten System unserer INNEREN UHR die Wirkung von Medikamenten optimieren werden können und ihre Nebenwirkungen so gering wie möglich gehalten werden.



