Sonntag, 1. März 2026

Vom Winde verweht

Heute, in Zeiten des „Lifestyle“ gewordenen Lebensstils ist es nicht mehr so einfach, den gewissen Zeitgeist auszumachen. Das vielfältige Gepräge unserer realen und virtuellen Lebensformen - von Ernährung, Wellness und Fitness bis Partnerschaft, Wirtschaftsstil oder Mode - könnte an dieser Entwicklung schuld sein.  

Denken wir an die Ernährung.
Nicht nur wir sind in allen Lebenslagen transparent geworden.
Auch die Kennzeichnungen auf Lebensmitteln sind transparent und informativ geworden. Diese Kennzeichnungen sollen uns helfen, zu verstehen, wie das Leben (zumindest) in der Sache Lebensmittel mit Leichtigkeit lebenswert zu gestalten werden kann. Denn sie legen eine Fülle von Inhaltsangaben, Qualitätssiegeln und andere Kennzeichnungen dar, wie nahrhaft, gesund und hochwertig das entsprechende Lebensmittel sein soll. 
Aber so glatt geht es nicht immer von statten. Wie Ernährungswissenschaftler bemerken, kann bei der Fülle von Ernährungsratschlägen verschiedener an dem Markt Beteiligte zu Widersprüchen kommen, weil oft Aussagen für allgemein gültig erklärt werden, obwohl sie keine wissenschaftliche Grundlage haben.

Themen wie BIOLEBENSMITTEL, LACTOSEFREIE LEBENSMITTEL werden lebhaft diskutiert.

So z.B. sollen die Biolebensmittel gesünder sein und besser schmecken als konventionelle. Dafür sind wir auch bereit mehr zu bezahlen.
Ein derartiges Ergebnis lieferte tatsächlich eine Studienreihe, in der die Testpersonen wussten, dass es sich um Biowaren handelt. Wurden die Proben blind verkostet, schmeckten die Testpersonen keinen Unterschied. Und das deckt sich mit den Ergebnissen einer Untersuchung der Stiftung Warentest mit 52 Lebensmitteln. Demnach lieferten die Testergebnisse keine Hinweise darauf, dass Bioware gesünder oder sogar schmackhafter sei als konventionelle.

Biolebensmittel sollen ferner besser für das Klima sein, heißt es. Eine pauschale Aussage, dass Produkte mit dem Öko-Siegel immer besser fürs Klima sind, kann nicht getroffen werden.
Ökologisch bearbeiteter Boden kann wegen seiner besseren Humusversorgung allerdings mehr CO2 binden. Für die CO2-Bilanz eines Produktes kommen aber weitere Faktoren hinzu, etwa der Transportweg oder die Art des Produktes. Und pflanzliche Nahrungsmittel sind meist besser für das Klima als tierische. So erzeugt
1 kg konventionell hergestellte Butter 23.794 g CO2-Äquivalenete / 1kg Bio-Butter 22.089 g CO2-Äquivalente.
Im Vergleich:
1 kg  konventionell hergestellte Gemüse erzeugt 153 g CO2-Äquivalenete / 1 kg Bio-Gemüse 130 g CO2-Äquivalente.(Anmerkung: Treibhausgase, insbesondere  CO2, CH4, N20. Umgerechnet in CO2 - Äquivalente:
1 kg CH4 entspricht ca. 25 kg CO2
1 kg N20 entspricht ca.300 kg CO2)

 Genauso wenig gilt eine allgemeine Aussage für höhere Qualität von Bio-Fleisch im Verglich zu konventionellem. Nach einer Studie des Instituts für Ökologische Forschung ist aus der Sicht des Klimaschutzes die Ökoqualität gegenüber der konventionellen aus der Schweinemast tatsächlich weit überlegen - das Minus an Treibgas-Ausstoß liegt bei 40%. Dafür liegen Öko- und Massenware bei Hähnchenfleisch gleichauf und das Rindfleisch aus der Biomast ist dem konventionellen gegenüber vollkommen unterlegen. Hintergrund: als rülpsendes Tier mehr Methanausstoß.

Das beliebte Thema Lactoseintoleranz.
Die lactosefreie (Milchzucker-freie) Ernährung sei gesünder. Die angebotene Palette lactosefreier Lebensmittel steigert sich von Jahr zu Jahr, obwohl sie nicht immer sinnvoll sind. Diese Art der Ernährung ist nur für diejenigen geeignet, deren Körper zu wenig oder keine Laktase herstellt, ein Enzym, das den Milchzucker im Dünndarm aufspaltet. Nur dann kann der Verzehr von Milch und Milchprodukten, auch in verarbeiteten Lebensmitteln, zu vielfältigen Magen-Darmbeschwerden führen.

Der Begriff ERNÄHRUNG, ob nun bio oder konventionell, führt fließend zu den Begriffen WELLNESS und FITNESS, das A und O präventiver und unterstützender Maßnahmen in Kampf gegen starkes Übergewicht, erhöhten Blutzuckerspiegel, gestörten Fettstoffwechsel. Mittlerweile weiß jeder, dass Bewegung ein zentraler Bestandteil der Behandlung der „Volkskrankheiten“ ist. Bewegung erhöht den Energieverbrauch und trägt so dazu bei, die Blutfette zu senken und Übergewicht abzubauen.
Aber auch dieses Gebiet bleibt nicht verschont von Widersprüchen und vernichtenden Kehrtwendungen. 
Dass regelmäßige Bewegung grundsätzlich gesund sei, bleibe unumstritten.
Morgens nüchtern Joggen, um mehr abzunehmen, Sit-up, damit nach einigen Wochen bei IHM den Bierbauch zu Waschbrettbauch schmilzt oder bei IHR die „Reiterhosen“ verschwinden! 
 

Laut Experten der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention würden Studien belegen, dass eine „Überdosierung“ mehr schadet, als es nutzt.
Denn ähnlich wie bei Medikamenten soll die optimale Wirkung von der Dosis abhängen.

Die genannten Beispiele sind Beispiele aus der langen Reihe unserer heutigen, vielfältigen Lebensformen. Es ist unser LIFESTYLE als Erscheinungsform des Zeitgeistes 3.0.

„Der Wind des Zeitgeistes weht heute da und morgen da. Und wer sich danach richtet, der wird vom Winde verweht“  , sagte Helmut Kohl  

Wohin verweht! Wir sind bereits im Sog der großen Trends des Zeitgeistes 3.0 mit seinen Nebeneffekten:Beschleunigung, eine oft übermäßig selbstverordnete Selbstentfaltung im Streben nach Erreichung privater und dem modernen Wirtschaftsstil angepasster, beruflicher Ziele. Es gibt kein Entkommen. 

 Dann ist man froh über eine zeitlich begrenzte Reset-Taste zur Wiederherstellung, Erholung, irgendwo in der Sonne echte Sonnenbräune mit dem Nimbus gesund, dynamisch, erfolgreich, zur Abrundung vielleicht ein Schuss Selbstbräuner und nach Austoben in der Hitze die wohltuende Wirkung eines klimatisierten Raums genießen.  

Selbstbräuner? Klimaanlage? Medienberichten zufolge - wahre Dickmacher! Die Selbstbräuner wegen ihrer Komponente Diethylphthalat (DEP) mit schwach hormoneller Wirkung, die zu Gewichtszunahme führe, die Klimaanlage, da sie das normale Schwitzen verhindert und so zusätzliche Kilos zustande bringe.

Bilder-Quelle: AdobeStock 

Montag, 26. Januar 2026

Unsere innere Uhr

 Verschiedene Funktionen unseres Körpers verlaufen in Zeiträumen von Minuten, Tagen, Monaten. Viele dieser Funktionen haben einen sich periodisch wiederholenden Zyklus von etwa einer Tageslänge.
Sie werden als „zirkadiane Rhythmen“ bezeichnet, (lat. „circa“ =etwa, ungefähr, „dies“ =Tag).
Temperatur, Puls, Blutdruck, Leber- und Nieren-Funktionen ebenso wie der Schlaf-Wach-Rhythmus unterliegen zirkadianen Rhythmen. Auch die Freisetzung mancher Hormone - wie Hormonen der Nebenniere, die Glukokortikoide, die fast alle Zellen und Organe des Organismus beeinflussen, das Wachstumshormon Somatotropin oder Melatonin, das den natürlichen Schlaf steuert - erfolgt als zirkadianer Muster in 24 Stunden-Rhythmus

Quelle: Wikipedia


Wir haben keinen Einfluss auf diese sehr komplexen Biorhythmen. Ihr innerer Taktgeber wird genetisch reguliert. Forscher haben mittlerweile nicht nur die sogenannten UHRGENE entdeckt, sondern sie kennen auch den Sitz der zentralen INNEREN UHR. Er liegt auf der Höhe des Nasenrückens über (supra) der Kreuzung der Sehbahnen (Chiasma) und ist nicht größer als ein Reiskorn. Diese zentrale INNERE UHR, aufgrund ihrer Lage den unaussprechlichen Namen SUPRACHIASMATISCHER NUCLEUS (SCN) tragend, synchronisiert ihren Takt vor allem mit dem Wechsel von Hell und Dunkel. 

Über einen längeren Zeitraum gemessen, lassen diese Biorhythmen systematisch mögliche Zusammenhänge erkennen: wann im Körper sich welche Vorgänge abspielen, wann und welche Hormone ausgeschüttet werden und wann die Müdigkeit einsetzt.
Bei gesunden Menschen harmonieren die verschiedenen zirkadianen Rhythmen in ihrem Zusammenspiel.
So ist beispielsweise die Herzaktivität tagsüber höher. 

Morgens steigen Puls und Blutdruck, die Atmung beschleunigt sich. Nachts werden die Leberzellen maximal aktiviert – die Entgiftung des Körpers läuft auf Hochtouren.
Früh morgens schießen hohe Mengen des Hormons Cortisol in den Blutkreislauf. Es trimmt uns auf Aktivität und hält den Zucker-, Fett- und Eiweißstoffwechsel in Gang. Der Testosteron-Spiegel im Blut ist auch früh morgens und dann bis über die Mittagszeit hinaus hoch.
Am späteren Vormittag bis Mittag haben wir die größte Leistungsfähigkeit. Zwischen 12 und 15 Uhr erleiden wir unsere niedrigste Leistungsfähigkeit. Ab ca. 15 Uhr haben wir unsere zweitgrößte Leistungsfähigkeit, die höchste Körpertemperatur wie auch Atemfrequenz und Blutdruck, aber die geringste Schmerzempfindlichkeit, da Endorphine hoch. 
Das niedrigste Tief erfahren wir zwischen Mitternacht und 3 Uhr, ein Zeitraum, in dem die Ausschüttung des Hormons Melatonin stattfindet.

Auch bei sportlicher Aktivität ist der zirkadiane Rhythmus von besonderer Bedeutung. Dies berücksichtigend kann die individuelle Leistungsbereitschaft durch entsprechende Trainingsmaßnahmen optimiert werden.

Obwohl diese statistischen Daten grundsätzlich relevante Zusammenhänge im rhythmisch regulierten System unserer INNEREN UHR erkennen lassen, stellen sie kein allgemein gültiges Muster für die Funktionsfähigkeit der INNEREN UHREN aller Menschen dar.
Es mischen viel zu viele Faktoren mit, von Menschen mit unterschiedlichster genetischer Prägung.


Es gibt der LERCHEN- Typ und der EULEN -Typ.
Zum LERCHEN- Typ gehören die Frühaufsteher. Sie 
werden früh wach und sind direkt leistungsfähig, werden aber abends zeitig müde 
haben ihren Leistungshoch meist vormittags. 
Zum EULEN -Typ gehören die Nachtmenschen.
Diese Menschen können sich morgens nur schwer aufraffen
blühen am Abend auf und gehen sehr spät ins Bett
haben ihre beste Leistung am späten Nachmittag und abends.

Die zirkadianen Rhythmen sind aber von unschätzbarem Wert für Diagnose und Therapien, denn sie können therapeutisch genutzt werden. 
Die sogenannte Chronotherapie (grch. Chronos = Zeit) befasst sich mit dem Zusammenhang der inneren Uhr und der Arzneimitteltherapie.
Werden chronobiologische Abläufe berücksichtigt, erhöht sich nachweislich die Wirkung von Medikamenten und verringert unerwünschte Nebenwirkungen. Denn viele Arzneimittel wirken je nach Tageszeit unterschiedlich. Dies basiert auf den jeweiligen körperlichen Vorgängen, die zu einer bestimmten Zeit ablaufen. 

Einige Beispiele
Statine sind bekanntlich hochwirksame Medikamente zur Senkung des LDL-Cholesterins, die das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle senken, indem sie die Cholesterinproduktion in der Leber hemmen.
Statine sollen am besten abends eingenommen werden, weil die körpereigene Cholesterinproduktion vor allem nachts während des Schlafens stattfindet. 

Für Mittel gegen zu hohen Blutdruck ist dagegen der frühe Morgen die richtige Tageszeit, da der Blutdruck nachts absinkt und erst im Lauf des Tages wieder ansteigt. 

Quelle: AdobeStock

Rheumapatienten, welche Medikamente einnehmen, die auf dem Wachmacherhormon Cortisol basieren, sollen sie am besten in den sehr frühen Morgenstunden einnehmen- idealerweise zwischen drei und vier Uhr. Das Cortison am Abend vor dem Einschlafen zu nehmen ist keine Alternative, sondern gefährdet nur den erholsamen Tiefschlaf.

 
Quelle: AdobeStock

Im Tagesverlauf verändert sich auch das Schmerzempfinden und ist am frühen Nachmittag am geringsten. Diesen Umstand kann man sich zum Beispiel bei der Vereinbarung eines Zahnarzttermins zunutze machen. Das Bohren ist dann nicht mehr so schlimm. Gleichzeitig ist der Nachmittag auch die Zeit, in der Schmerzmittel am effektivsten wirken. 

Quelle: AdobeSrock

Wir können diese unsere INNERE UHR nicht beeinflussen. Bereits im Erbgut ist festgelegt, in welchem Rhythmus sie bei jedem einzelnen Menschen tickt. Aber jeder Einzelne unter uns sollte nach bestem Wissen und Gewissen dem Ticken seiner INNEREN UHR folgen. Sie ist doch stets bemüht zu Gunsten „ihres“ Einzelnen zu ticken. Und bei jedem Gesunden schafft sie tatsächlich, verschiedene Rhythmen im Einklang und Harmonie zu halten.
Mediziner sind zudem voller Hoffnung, dass mit immer mehr Erkenntnissen aus dem rhythmisch regulierten System unserer INNEREN UHR die Wirkung von Medikamenten optimieren werden können und ihre Nebenwirkungen so gering wie möglich gehalten werden.